
/fan/fun: Kyoto-Faltfächer, von Hand gefertigt
Wir haben Minoya Senpobesucht, einen traditionsreichen Hersteller und Großhändler von Faltfächern in Kyoto, gegründet 1894. 2017 brachte das Unternehmen seine allererste eigene Marke heraus, /fan/fun. Wir haben einiges über Kyoto-Fächer und die Geschichte hinter der Marke erfahren und bei der Herstellung zugesehen.

Herr Chiba, der Sohn, leitet die neue Marke, während sein Vater ihn herzlich unterstützt – wenn auch mit ein wenig Sorge.
87 Paar Hände
Kyoto-Fächer entstehen in Arbeitsteilung, mit so vielen Arbeitsschritten, dass ein Fächer angeblich 87-mal durch die Hände von Handwerkern geht. Grob gesagt gibt es Handwerker, die die Bambusstäbe fertigen, solche, die das Papier herstellen, und solche, die beides zusammenfügen. Minoya Senpo übernimmt das abschließende Zusammenfügen und die Endbearbeitung, und jeder Fächer von /fan/fun durchläuft denselben Prozess.


Mehr als nur Kleben
Wir hatten uns vorgestellt, dass das Papier einfach auf die Stäbe geklebt wird. Tatsächlich besteht das Fächerpapier aus drei Lagen: einem Kernblatt zwischen zwei äußeren Blättern. Das ist einer der Gründe, warum ein Fächer eine so angenehme Brise erzeugt.

Ein dünnes Bambuswerkzeug wird genau in die Mitte der Lagen geschoben, um für jede zweite Falte einen Schlitz zu öffnen – schnell und präzise. Je mehr Falten, desto schwieriger dieser Schritt. Anschließend werden die mit Leim bestrichenen Bambusstäbe in die Schlitze geschoben. Ein Fehlgriff, und der Fächer ist verdorben. Herr Chiba setzt die Stäbe ein und reicht den Fächer an seinen Vater weiter, der jeden Stab nach Gefühl so justiert, dass er genau mittig sitzt. Das Gefühl, dass ein Fächer „irgendwie angenehm“ in der Hand liegt, kommt von solch sorgfältiger Arbeit.


Das perfekte Zuschnappen
Eine weitere Eigenschaft, die wir für selbstverständlich halten, ist das knackige Zuschnappen beim Schließen des Fächers. Ohne den letzten Arbeitsschritt würde sich ein Fächer nur locker schließen. Die beiden äußeren Deckstäbe werden erhitzt – früher über Holzkohle, heute elektrisch –, bis sie sich heiß anfühlen, und dann nach innen gebogen. Jeder Handwerker hat seine eigene Art zu biegen; Herr Chiba nutzt eine Methode, die er selbst angepasst hat. Der Unterschied ist deutlich: ein straffer, schönerer Fächer und ein befriedigendes Schließen.


Fächer, die im Winter verkauft werden
Fächer waren ursprünglich nicht dazu gedacht, sich Kühlung zu verschaffen. Ihre Wurzeln liegen in Holztäfelchen, die Adlige in der Hand hielten, und im Laufe der Jahrhunderte dienten sie dazu, das Gesicht zu verbergen, den Rang zu zeigen, und später im Nō-Theater, im Rakugo und in der Teezeremonie.
Minoya Senpo hat hauptsächlich Fächer hergestellt, die im Winter verkauft werden. In der Teezeremonie gehört ein Fächer zur unverzichtbaren Etikette: Er wird als Zeichen der Demut vor einem abgelegt, und bei der ersten Teezusammenkunft des neuen Jahres schenken Lehrer ihren Schülern traditionell Fächer. Die Nachfrage erreicht daher im Winter ihren Höhepunkt, während die Werkstatt im Sommer Zeit hat. In dieser Zeit begann sie, unter ihrer eigenen Marke Sommerfächer herzustellen.

Ein Fan von Fächern werden
Auch in Kyoto altern die Handwerker, und es gibt nur wenige Nachfolger. Techniken weiterzugeben ist wichtig, aber ebenso, das Handwerk für jüngere Generationen attraktiv zu machen. Das Konzept von /fan/fun: „Genießen Sie Fächer. Genießen Sie das Fächeln. Wir hoffen, Sie werden ein Fan von Fächern.“ In Zusammenarbeit mit Designern möchte die Marke Fächer zu Menschen bringen, die noch nie einen benutzt haben.

Einen Fächer bekommt man heute fast umsonst, und jeder Fächer bewegt Luft. Doch ein von japanischen Handwerkern mit Sorgfalt gefertigter Fächer ist anders: eine sanftere Brise, jahrelange Haltbarkeit und ein Wohlgefühl, das sich schwer in Worte fassen lässt. „Einen echten Fächer können nur Menschen machen“, sagt Herr Chiba. Wir hoffen, Sie spüren diesen Unterschied selbst. Herzlichen Dank an alle bei Minoya Senpo.






