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Artikel: Take Kobo Kisetsu: Vom Büroangestellten zum Bambushandwerker in Kyoto

Take Kobo Kisetsu

Take Kobo Kisetsu: Vom Büroangestellten zum Bambushandwerker in Kyoto

Bambushandwerk in Japan lässt viele zuerst an Utensilien für die Teezeremonie und Blumenkörbe denken: förmliche Stücke für besondere Anlässe. In Kyoto aber entsteht in einer Werkstatt etwas ganz anderes: Bambustaschen, die wunderbar zu moderner Alltagskleidung passen. Die Rede ist von Take Kobo Kisetsu, dem Bambusatelier des Handwerkers Herrn Hosokawa.

Bambustaschen von Kisetsu (1)

Herr Hosokawa kam spät zu seinem Handwerk. Elf Jahre arbeitete er in einer Druckerei, bevor er mit 31 Jahren in die Welt des traditionellen Kunsthandwerks eintrat. Seitdem hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis des Premierministers beim nationalen Wettbewerb für traditionelles Kunsthandwerk in Japan, und auf seine Taschen wartet man heute rund sechs Monate.

Ajiro-Flechtwerk für das moderne Leben

Das Atelier liegt in einer ruhigen Seitenstraße nordwestlich der Burg Nijo, gegenüber einer Grundschule. Hier flicht Herr Hosokawa Taschen in Ajiro, einer köperähnlichen Flechttechnik, die in Japan seit vorgeschichtlicher Zeit verwendet wird, aus feinen Streifen von hochwertigem Madake -Bambus (Japanischer Riesenbambus) aus Kyoto.

Bambustaschen von Kisetsu (2)

„Bei unserer Arbeit kommt es vor allem darauf an, das Material richtig vorzubereiten“, sagt er. Das Flechten zieht die Blicke auf sich, doch der anspruchsvollste Schritt kommt davor: Der Bambus wird in Streifen gespalten und gehobelt, deren Stärke und Breite exakt auf jedes Modell abgestimmt sind. Eine Tasche im Koffer-Stil etwa besteht aus 156 Streifen mit je 6,3 mm Breite. Jede Abweichung verändert die Größe der fertigen Tasche, deshalb ist millimetergenaue Präzision unerlässlich.

Bambus ist ein Naturmaterial, und jeder Halm ist anders. „Selbst wenn man ihn auf die gleiche Weise spaltet, verhält sich jedes Stück Bambus anders. Wenn ich ein paar Streifen gespalten habe und ein Gefühl für den Bambus des Tages bekomme, stelle ich meine Hände darauf ein.“ Das Ergebnis ist so präzise, dass oft gefragt wird, ob die Taschen maschinell hergestellt werden.

Bambustaschen von Kisetsu (3)

Ein neuer Weg mit 30

In der Druckerei lag Herrn Hosokawa gute Arbeit sehr am Herzen, doch in einem großen Unternehmen war das Ergebnis nie allein sein eigenes. Als die 30 näher rückte, fragte er sich, was er wirklich tun wollte. „Ich wollte eine Arbeit, bei der das, was ich mache, direkt beim Kunden ankommt, und bei der das Ergebnis, ob gut oder schlecht, auf mich zurückfällt.“

Bambustaschen von Kisetsu (4)

Er hatte schon immer gern Dinge mit den Händen gemacht und konnte Handwerkern bei Vorführungen in Kaufhäusern stundenlang zusehen. Er schrieb sich am Kyoto Institute of Traditional Crafts ein und wählte Bambus, das einzige Handwerk, für das er weder Hobbykurse noch Anleitungsbücher finden konnte. Als Junge hatte er im Park Bambus-Propeller geschnitzt und versucht, sie immer höher fliegen zu lassen. „Ich hatte so ein vages Gefühl, dass Bambus zu mir passt.“ Anders als bei Holz lassen die langen Fasern des Bambus kein Zurück zu, sobald man schneidet. Gerade diese Einschränkung, sagt er, zwinge einen dazu, die Richtung klar festzulegen und dabei zu bleiben.

Zwei Jahre voller Hingabe

Die Schule liegt auf dem Land im Zentrum der Präfektur Kyoto, eine Zugstunde von der Stadt entfernt. Im ersten Jahr ohne Einkommen lebte er von seinen Ersparnissen, seiner Abfindung und dem Erlös aus dem Verkauf seines Autos; später arbeitete er vier Tage die Woche in einem Mittagslokal neben seiner Wohnung. Jede andere Stunde gehörte dem Bambus: frühmorgens in der Schule, abends bis zum Schluss, zu Hause weiter, am Wochenende in der Werkstatt. „Die Leute fragten mich, ob ich in der Schule wohne.“

Bambustaschen von Kisetsu (5)

Ein Korb in Taschenform ist noch keine Tasche

Als er seinen Abschluss machte, nahm kaum eine Werkstatt Lehrlinge auf. Er übernahm Aufträge über die Schule und persönliche Kontakte und begann, Taschen auf Grundlage des Koffers zu entwickeln, den er als hoch gelobtes Abschlussprojekt gefertigt hatte. 2011, mit 37 Jahren, gründete er Take Kobo Kisetsu.

Bambustaschen von Kisetsu (6)

Die Selbstständigkeit brachte eigene Lektionen mit sich, angefangen bei Buchhaltung und Steuererklärung. Auch die Produkte waren eine Herausforderung. „Ein Bambuskorb in Taschenform ist noch keine Tasche. Er muss als Tasche funktionieren und praktisch sein.“ Als er Einkäufern von Kaufhäusern den Prototyp einer Aktentasche zeigte, betraf jede Anmerkung das Leder und die Metallbeschläge, nicht den Bambus. „Wenn man es als Tasche verkauft, kann man nicht sagen: ‚Das ist nicht mein Fachgebiet.‘“ Er bildete sich weiter und fand Spezialisten für alle Teile jenseits des Bambus. Bei alledem, sagt er, habe er nie auch nur einmal aufgeben wollen. „Ich tue, was ich tun wollte, und ich kann weitermachen. Ich kann mir kein größeres Glück vorstellen.“

Bambustaschen von Kisetsu (7)

Ein Handwerker, kein Künstler

„Für mich ist Bambushandwerk die Kunst, Werkzeuge für den Alltag zu fertigen“, sagt Herr Hosokawa. „Ich bin Handwerker, kein Künstler. Ein Handwerker hört zu, was die Menschen sich wünschen, und setzt sein Können ein, um es herzustellen. Wenn niemand haben möchte, was man macht, gibt es nichts zu machen.“

Bambustaschen von Kisetsu (8)

Sind Bambustaschen robust genug für den täglichen Gebrauch? Bambus gehört zu den langlebigsten Naturmaterialien, und Herr Hosokawa wählt Streifen und Flechtart ausgehend vom Zweck und der Größe jeder Tasche. Er zeigte auf einen ausgestellten Koffer: Er benutzt ihn seit über zehn Jahren, auch auf Auslandsreisen. Er sah fast neu aus und war erstaunlich leicht in der Hand.

Bambustaschen von Kisetsu (9)

Die Taschen verändern sich zudem mit dem Gebrauch. Ein altes Sprichwort sagt, Bambuskörbe würden erst durch das Fett der Hände vollendet. Gefärbte Taschen hellen langsam zu einem warmen Braun auf, während naturweißer Bambus zu einem satten Bernsteinton nachdunkelt. Wer Lederwaren liebt, die mit ihrem Besitzer altern, wird daran große Freude haben.

Bambustaschen von Kisetsu (10)

Wirklich „Made in Kyoto“

Der gesamte Bambus, den das Atelier verarbeitet, stammt aus Kyoto. Viele japanische Handwerkskünste sind heute auf importierte Materialien angewiesen, doch Kyoto besitzt noch immer reiche Bambushaine. „Ein Handwerker aus Kyoto, der Kunsthandwerk ganz aus Kyoto-Bambus fertigt: Das ist eine enorme Stärke. Ich kann voller Stolz ‚Made in Kyoto‘ sagen.“ Inzwischen arbeitet er auch mit Kyo-meichiku, Kyoto-Bambus, der mit traditionellen Techniken veredelt wird, in der Hoffnung, den Wert des Bambus selbst und des gesamten Handwerks zu steigern.

Bambustaschen von Kisetsu (11)

Mehr als nur Liebe zur Arbeit

Herr Hosokawa wünscht sich außerdem, dass mehr Menschen im Bambushandwerk arbeiten. Sein Lehrling ist inzwischen im siebten Jahr, und er hofft, ein System aufzubauen, in dem die ganze Branche junge Handwerkerinnen und Handwerker ausbilden und beschäftigen kann.

Bambustaschen von Kisetsu (12)

Was braucht es, um Handwerker zu werden? Nicht einfach nur geschickte Hände, sagt er. „Selbst ein Stück, das man aus eigenem Antrieb entworfen hat, wird man irgendwann leid, wenn man es lange genug macht. Aber solange es Aufträge gibt, muss man es machen. Die Frage ist, ob man über Mögen oder Nichtmögen hinaus weitermachen kann, ob der Körper sich einfach in Bewegung setzt. Das macht einen Handwerker aus.“ Und das Alter? „Jünger ist besser zum Lernen, aber bei der Motivation spielt das Alter keine Rolle. Wenn Sie Interesse haben, bringen Sie die Eignung schon mit. Ob daraus etwas Echtes wird, hängt von Ihrem Einsatz ab.“

Bambustaschen von Kisetsu (13)

Stark, geschmeidig und geradlinig, ganz wie der Bambus selbst: Die Taschen von Herrn Hosokawa tragen sein Können ebenso in sich wie seine Fürsorge für die Menschen, die sie benutzen. Sie sind nicht nur für besondere Tage gemacht, sondern dafür, im Alltag mit Ihnen gemeinsam zu altern. Unser herzlicher Dank gilt Herrn Hosokawa für seine Zeit.

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