
Kamoshika Doguten: Banko-Keramik für eine ganze Region
Komono in der Präfektur Mie ist ein Thermalbadeort am Fuß des Suzuka-Gebirges, bekannt für den wild lebenden Japanischen Serau, auf Japanisch kamoshika, der hier zu Hause ist. In der Nähe des Gozaisho, des höchsten Gipfels der Bergkette, betreibt Yamaguchi Toki, ein Hersteller von Banko-Keramik, Kamoshika Doguten, eine regionale Marke für Küchenutensilien, die Freude auf den Tisch bringen.

Der Laden in Komono ist schon von Weitem gut zu erkennen. Yamaguchi Toki ist außerdem eine der vier Banko-Brennereien hinter 4th-market, sodass Besucher hier beide Marken kaufen können. Nach Voranmeldung finden auch Workshops statt.

Was eine Handwerksregion zum Überleben braucht
Herr Yamaguchi stieg um 2003 in den Familienbetrieb ein und gab dafür seine Stelle als Büroangestellter auf. Als er seinem Vater, dem damaligen Firmenchef, sagte, dass er die Nachfolge antreten wolle, antwortete dieser: „Lass es. Lass es einfach.“ Die Banko-Keramikbranche befand sich im Niedergang, und er wollte sie seinem Sohn nicht aufbürden.

Doch diese Worte spornten ihn erst recht an. Wenn die Lage schlecht war, dann würde er sie eben verbessern. Im Unternehmen sah er die Wirklichkeit: überwiegend Auftragsfertigung, abhängig von der Lage der Kunden und den Rohstoffpreisen, jeder Monat ein Kampf. Anderen Banko-Brennereien ging es genauso – so hatte die Region keine Zukunft. Er machte es sich zur Aufgabe, die Abhängigkeit des Unternehmens von äußeren Kräften zu verringern.

Ein Schritt war 2005 die Gründung von 4th-market, das direkt vom Hersteller an den Einzelhandel verkauft und das Geschäft mit Großhändlern zurückfuhr. Dafür mussten neue Vertriebswege aufgebaut werden, doch so lag alles – von der Herstellung bis zum Verkauf – in der Hand des Unternehmens. Manche in der Branche beobachteten das mit kühler Distanz. „Darüber habe ich mir keine Sorgen gemacht“, sagt er. Ganz darauf konzentriert, die Region am Leben zu halten, hatte er dafür schlicht keine Zeit.
Eine Marke für die ganze Region
Einige Jahre später gründete er Kamoshika Doguten, benannt nach dem Serau, dem offiziellen Wappentier sowohl der Präfektur Mie als auch von Komono. Er betont, dass es eine regionale Marke ist – gemacht für die Region.

Das zeigt sich in einer ungewöhnlichen Entscheidung. Die meisten Brennereien stellen ihre eigene Marke selbst her. Kamoshika Doguten dagegen lässt viele Produkte von Partnerbrennereien fertigen – selbst solche, die Yamaguchi Toki auch selbst herstellen könnte. Die Partner waren anfangs überrascht. „Die ganze Region muss florieren“, erklärt Herr Yamaguchi. Manche Brennereien sind in bestimmten Bereichen geschickter oder können mühelos herstellen, was sein Team viel Aufwand kosten würde. Wenn diese Betriebe verschwinden, gibt es eines Tages keine Handwerker mehr für Banko-Keramik. Fast scheint es, als führe er nicht nur ein Unternehmen, sondern die ganze Region.

Als wir eine Partnerbrennerei besuchten, entstand spontan eine Planungsbesprechung. „Könnt ihr so etwas machen?“ „Lass uns das als nächstes Kamoshika-Produkt machen!“ Sie lachten wie Kinder, die gerade beschließen, was sie spielen wollen.
Neue Energie für die Gegend
Nach seinen Zielen gefragt, sprach Herr Yamaguchi nicht von seinem Unternehmen, sondern von der Region. Gemeinsam mit Menschen aus vielen Bereichen setzt er sich für die Belebung von Komono, Yunoyama, Yokkaichi und der Umgebung ein. „Im Moment sind das noch einzelne Punkte. Ich möchte sie zu etwas Größerem verbinden, damit diese Gegend die Menschen ganz von selbst anzieht.“

Der Laden ist als Treffpunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen gedacht. Im Workshop-Bereich können Sie aus vielen Formen wählen, den Ton formen und eine Glasur aussuchen – ein echter Einblick in die handwerkliche Fertigung. Es gab sogar schon Veranstaltungen, bei denen der neue Reis der Saison aus der Region in Kamoshikas Reistöpfen gekocht wurde.

Die Herstellung des Reistopfs
Jedes Kamoshika-Produkt ist klar gestaltet und äußerst funktional – echte Werkzeuge. Wir haben bei der Herstellung eines der beliebtesten Stücke zugesehen: dem Gohan no Nabe, einem Reistopf aus Ton, der auch in der Mikrowelle verwendet werden kann.
- Formen. Der Ton wird abgewogen, in eine Form gegeben und von einer eigens für diesen Topf eingestellten Maschine geformt.
- Die innere Stufe. Das wichtigste Merkmal ist eine Stufe im Inneren des Topfes. Sie hilft, das Überkochen zu verhindern, gibt dem Deckel sicheren Halt und erleichtert das Aufbewahren. Für diese Form braucht es eine speziell geformte Maschine und einen besonderen Bewegungsablauf – nur Kamoshika Doguten kann sie herstellen.
- Abdrehen. Die Außenseite wird dünn abgedreht. Dadurch erhält die Oberfläche eine wärmere Haptik, und die leichte Unebenheit vergrößert die Oberfläche, sodass der Topf die Hitze effizienter aufnimmt. Es ist anspruchsvolle Arbeit: Seit ein Handwerker in den Ruhestand gegangen ist, übernimmt Herr Yamaguchi sie als Einziger – ab vier Uhr morgens.
- Griffe und Trocknen. Die Griffe werden von Hand angesetzt, dann trocknen die Töpfe kopfüber, damit sie sich beim Schwinden nicht verziehen.
- Schrühbrand bei etwa 750–800 °C treibt die Feuchtigkeit aus, damit die Glasur gut haftet.
- Glasieren und Glattbrand bei etwa 1.150–1.250 °C vollenden den Topf.




Bei jedem Schritt sind Menschenhände im Spiel – nicht um ihrer selbst willen, sondern weil nur so etwas so Gutes entstehen kann, zu einem Preis, der dennoch erschwinglich bleibt.
Zu Besuch bei einer Partnerbrennerei
Wir besuchten auch die Partnerbrennerei, die den Suribachiherstellt, einen der Bestseller der Marke. Anders als eine traditionelle japanische Reibeschale hat er keine Rillen, reibt aber dennoch gut, lässt sich leicht spülen und dient zugleich als Servierschale. Die Nachfrage ist so groß, dass die Brennerei kaum hinterherkommt.

Der Ton wird in eine Form gedrückt und auf der sich drehenden Scheibe mit den Daumen gleichmäßig verteilt – ein Anblick, der Freude macht. Nach dem Trocknen wird die Außenseite leicht abgedreht, und der Ausguss entsteht mit einem schnellen Handkantenschlag. Vor dem Glasieren wird Eisenpulver aufgestreut, das innen die raue Reibefläche bildet.

Die Freude am Machen
Was wir bei diesem Besuch am stärksten gespürt haben: Gute Dinge entstehen bei Menschen, die Freude an ihrer Arbeit haben – und dafür braucht es Mitstreiter. Kamoshika Doguten hat sie, innerhalb und außerhalb des Unternehmens, und gemeinsam diskutieren und lachen sie sich zu neuen Ideen. Indem sie sich für ihre Region starkmachen, ziehen sie immer mehr Menschen an. Wir freuen uns auf jedes neue Werkzeug, das sie entwickeln, und darauf, zu sehen, wie sich die Banko-Region verändert. Herzlichen Dank an Herrn Yamaguchi und das Team für den langen und großzügigen Besuch.





