
chanto: Hikones Handwerk der buddhistischen Hausaltäre, neu erfunden als farbenfrohes Café-Geschirr
Im Dialekt von Hikone in der Präfektur Shiga beschreibt chanto, sich aufzurichten, sich zu konzentrieren und die Dinge ordentlich zu erledigen. So heißt auch eine Lackwaren-Marke, die Inoue, ein seit über 100 Jahren bestehender Hersteller buddhistischer Hausaltäre in Hikone, gemeinsam mit dem Designer Takumi Shimamura ins Leben gerufen hat. Die Marke überträgt die lange Tradition des Altarbaus der Stadt auf farbenfrohes Geschirr im Café-Stil für den Alltag.
Ein Geschäft für buddhistische Hausaltäre neben der Burg Hikone
chanto entstand im Herzen von Hikone, nur wenige Gehminuten von der Burg Hikone entfernt. Angesichts der traditionellen hölzernen Ladenfront kann man kaum glauben, dass hier so modernes, fröhliches Geschirr entsteht. Tatsächlich handelt es sich um ein Geschäft für buddhistische Hausaltäre, das seit über einem Jahrhundert besteht.

Von Samurai-Rüstungen zu buddhistischen Hausaltären
Hikone ist seit rund 300 Jahren ein Zentrum der Herstellung buddhistischer Hausaltäre. Die Wurzeln liegen in der Rüstungsherstellung: Einst benötigte das Lehen Hikone Rüstungen für seine Samurai, darunter die rot lackierten Rüstungen des Ii-Clans, berühmt als Ii no akazonae (die „rote Brigade“ der Ii). Für ihre Herstellung brauchte es eine Vielzahl von Fertigkeiten – von der Lackierung mit Urushi-Lack und der Holzbearbeitung bis zu Blattgold, Schnitzerei und Metallgravur.
Als sich die Zeiten änderten und die Nachfrage nach Rüstungen zurückging, wurden diese hochentwickelten Fertigkeiten für den Bau buddhistischer Hausaltäre eingesetzt. Heute wandelt sich die Zeit erneut, und die Nachfrage nach neuen Altären sinkt.
Die Geburt von chanto
Herr Inoue, das Oberhaupt von Inoue in vierter Generation, spürte, dass es so nicht weitergehen konnte. Er suchte nach Bereichen, in denen diese Fertigkeiten, die das Niveau von Kunst erreichen, weiterleben könnten. Nach vielen Versuchen entschied er sich für eine neue Richtung: Geschirr im Café-Stil.
Die so entstandenen Stücke verbinden über Generationen gewachsene Holz- und Lackierkunst mit den zeitgemäßen Entwürfen von Takumi Shimamura. Die neue Marke, die eine über 300-jährige Tradition mit der Gegenwart verbindet, erhielt den Namen chanto.

Lackwaren für eine jüngere Generation
Urushi ist ein natürlicher Lack aus dem Saft des Lackbaums, der in dünnen Schichten auf Holz aufgetragen wird und eine schöne, langlebige Oberfläche ergibt. In Japan gilt Urushi bei vielen als etwas Förmliches und ein wenig Einschüchterndes – eher für besondere Anlässe als für den Alltag gedacht und nichts, was jüngere Menschen typischerweise besitzen.
Herr Inoue wollte, dass sich chanto von herkömmlichen Lackwaren unterscheidet: eine neue Art von Lackmarke, die junge Menschen gerne benutzen. Das Ergebnis sind die farbenfrohen, modernen Lackwaren von chanto.

Farben, die nur Erfahrung reproduzieren kann
Diese Farben sind in Wahrheit das Ergebnis einer über viele Jahre verfeinerten Handwerkskunst. Die farbigen Lacke von chanto besitzen eine besondere Leuchtkraft, die sofort ins Auge fällt.

Immer wieder exakt denselben Farbton eines Lacks zu treffen, gehört zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt. Die Mischung muss je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit fein angepasst werden – doch ohne gleichbleibende Farbe gibt es kein Produkt. Möglich macht es das über viele Jahre gewachsene Gespür eines Handwerkers.
Die Lacke für chanto werden von einem zertifizierten Meister des traditionellen Urushi-Handwerks angemischt. Nur sehr wenige Handwerker in ganz Japan können so gleichmäßig denselben Farbton erzeugen, wenn die Mischung so stark von der Umgebung abhängt.

Derzeit hängen die farbigen Lacke von chanto vom Können einer einzigen Person ab. Ziel ist es, die Techniken von chanto – und des traditionellen Handwerks insgesamt – reibungslos an die jüngere Generation weiterzugeben. In diesem Sinne wird das Bestreben von chanto, den Blick auf Urushi zu verändern, nur noch an Bedeutung gewinnen.
Verbreitete Irrtümer über Urushi
Viele glauben, Urushi verursache Hautausschläge oder sei schwer zu pflegen. Diese Vorstellungen sind schlicht falsch. Anders als roher Lack reizt ausgehärteter Urushi-Lack die Haut bei Berührung nicht. Abgesehen davon, dass Lackwaren nicht in die Mikrowelle oder Spülmaschine gehören, ist ihre Pflege kaum anders als die von anderem Geschirr.

Zugegeben, Lackwaren sind nicht billig. Doch warum haben sie ihren Preis? Weil jedes Stück viel Zeit, Arbeit und Handwerkskunst erfordert. Und weil es mit solcher Sorgfalt gefertigt wird, kann gut gemachtes Lackgeschirr über viele Jahre geschätzt und benutzt werden. Die Stücke von chanto sind da keine Ausnahme. Bedenkt man, dass sie über Generationen hinweg genutzt werden können, ist der Preis mehr als gerechtfertigt.

„japan“: eine natürliche Oberfläche, die es wiederzuentdecken gilt
Urushi ist eine natürliche, umweltfreundliche Beschichtung aus Baumsaft und verdient einen neuen Blick. Im Englischen werden Lackwaren sogar „japan“ genannt; weltweit gilt Urushi als die typische Oberfläche Japans. Als Naturmaterial stößt es auch in Europa und Nordamerika auf großes Interesse und ist zweifellos eines der feinsten Handwerke Japans.
Es wäre ein großer Verlust, wenn Missverständnisse dazu führten, dass eine von Japans Traditionen verblasst. Nach dem Schritt vom buddhistischen Hausaltar zum Geschirr bringt chanto weiterhin frische Perspektiven und neue Energie in die Welt der Lackwaren.

Unser herzlicher Dank gilt Herrn Inoue und dem gesamten Team von Inoue, die ihre Geschichte mit uns geteilt haben.











