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Artikel: tesio: Craft-Sonnenbrillen mit perfektem Sitz aus Sabae, Japans Brillenstadt

tesio craft sunglasses by Taniguchi Megane, Sabae
Craft_Metalwork

tesio: Craft-Sonnenbrillen mit perfektem Sitz aus Sabae, Japans Brillenstadt

Für dieses Interview reisten wir nach Sabae, einer kleinen Stadt in der Präfektur Fukui an der Küste des Japanischen Meeres. Sabae ist Japans wichtigste Brillenstadt: Mehr als 90 % der in Japan hergestellten Brillenfassungen stammen von hier, und ihre Fassungen genießen weit über die Landesgrenzen hinaus hohes Ansehen. Wer durch das Stadtzentrum fährt, sieht in fast jeder Straße brillenförmige Schilder und Brillenwerkstätten.

Wir besuchten Taniguchi Megane, einen 1957 gegründeten Brillenhersteller und das Unternehmen hinter der Craft-Sonnenbrillenmarke tesio. Unsere Begleitung bei Taniguchi Megane – die Person, die tesio ins Leben gerufen hat – erzählte uns von der Idee hinter der Marke, von der Geschichte Sabaes und von den vielen Arbeitsschritten, die in einer einzigen Fassung stecken.

tesio Werkstatt von Taniguchi Megane in Sabae (Fukui)

Tragekomfort steht an erster Stelle

Taniguchi Megane konzentriert sich seit jeher vor allem auf eines: Brillen, die man den ganzen Tag trägt, ohne sie zu bemerken. Auch die eigene Brillenmarke TURNING ist ganz auf diesen Gedanken des Tragekomforts ausgerichtet.

tesio TURNING Brillenfassungen aus Acetat von Taniguchi Megane

2020 übertrug das Unternehmen dieses Know-how auf Sonnenbrillen und gründete tesio. Die Fassungen basieren auf einem eigenen Asian-Fit-Design, das auf ostasiatische Gesichtszüge abgestimmt ist – so sitzen sie bequem und verrutschen nicht.

tesio Craft-Sonnenbrille beim Radfahren

Das Ziel ist einfach: eine Sonnenbrille, die man jahrelang tragen möchte. Die Fassungen sind dafür gemacht, gepflegt und lange benutzt zu werden – passend zu einer Zeit, in der nachhaltige Dinge wieder geschätzt werden.

tesio Craft-Sonnenbrille im Asian-Fit-Design im Freien

Warum junge Handwerker nach Sabae kommen

Was uns in der Werkstatt als Erstes überraschte, war, wie jung das Team ist. Viele traditionelle Hersteller in Japan kämpfen mit einer alternden Belegschaft, doch bei Taniguchi Megane sitzen an den Werkbänken Menschen, die viel jünger sind, als man es sich bei traditionellem Handwerk vorstellt.

tesio junge Handwerker bei der Arbeit in der Werkstatt von Taniguchi Megane

„Wir halten unser Unternehmen offen“, erklärte unsere Begleitung. „Wir empfangen Schülergruppen und Studierende und nehmen an Veranstaltungen teil.“ Die größte davon ist RENEW, ein jährliches Festival der offenen Werkstätten in der Region Sabae, das an drei Tagen rund 30.000 Besucher anzieht. Taniguchi Megane öffnet dann seine Werkstatt für die Öffentlichkeit und bietet Mitmach-Workshops an.

Auch die Stadt selbst fördert ihr lokales Handwerk aktiv und wirbt um Zuzug. Deshalb bewerben sich auf Stellenangebote des Unternehmens Menschen aus ganz Japan. Unsere Begleitung stammt ursprünglich aus der Region Kansai, Kolleginnen und Kollegen sind aus Toyama und Chiba hergezogen. Kaum jemand hatte zuvor in der Brillenbranche gearbeitet; alle fangen bei null an und lernen bei der Arbeit.

tesio eine Handwerkerin bei der Endbearbeitung einer Brillenfassung von Hand

Heute arbeiten elf Handwerkerinnen und Handwerker bei Taniguchi Megane. „Beim Fassungsbau kommt es vor allem auf das Gefühl in den Händen an, das Geschlecht spielt überhaupt keine Rolle“, sagte unsere Begleitung. „Viele stellen sich das als geheimnisvolles, verschlossenes Handwerk vor, aber das ist es wirklich nicht. Wer gestern noch in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet hat, kann heute als Fassungsmacher anfangen.“

Was eine Fassung aus Sabae ausmacht

tesio unsere Begleitung bei Taniguchi Megane während des Interviews

Brillen gibt es heute in jeder Preisklasse – was unterscheidet also eine Fassung aus Sabae? „Das Material und die Herstellungsweise“, so unsere Begleitung.

Hochwertige Fassungen aus Sabae werden aus Acetat oder Zelluloid gefertigt, aus Baumwolle gewonnenen Kunststoffen pflanzlichen Ursprungs. Eine gemusterte Platte des Materials wird in mehr als 200 Arbeitsschritten zugeschnitten und geformt. Da die Farbe durch das gesamte Material geht, lassen sich Kratzer wegpolieren – so können die Fassungen viele Jahre gepflegt und getragen werden.

tesio Acetatplatte und Fassungen, das in Sabae verwendete Material auf Baumwollbasis

Günstige Brillen bestehen dagegen meist aus erdölbasiertem Kunststoff, der für die Massenproduktion in Formen gegossen wird. Ihre Muster sind nur auf die Oberfläche gedruckt und verschwinden beim Polieren, deshalb werden sie in der Regel ersetzt statt repariert. Uns hat beeindruckt, wie unterschiedlich zwei ähnlich aussehende Fassungen sein können – und dass Acetat aus Baumwolle gewonnen wird, einem pflanzlichen Rohstoff, der zudem umweltfreundlicher ist.

Korrekturbrillen, betonte unsere Begleitung, sind eigentlich ein medizinisches Hilfsmittel: Die Augen werden vermessen, die Gläser angepasst und die Fassung auf die Trägerin oder den Träger eingestellt. Deshalb wird TURNING nur über Optiker verkauft, die das fachgerecht leisten können.

Wie Sabae zu Japans Brillenstadt wurde

Die Brillengeschichte Sabaes reicht mehr als hundert Jahre zurück. Sie begann in der Meiji-Zeit, als sich Japan vom Agrar- zum Industrieland wandelte. Wegen der starken Schneefälle wuchs in Fukui im Winter monatelang nichts, und die Bauernfamilien hatten kein Einkommen – so wurde die Brillenherstellung zu einem wertvollen Erwerb, den man im Haus ausüben konnte. Aus Osaka holte man Handwerker, die die nötigen Fertigkeiten vermittelten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die großen Brillenzentren in Osaka und Tokio schwer beschädigt, und viele Handwerker kamen ums Leben. Sabae blieb weitgehend verschont, verfeinerte seine Techniken weiter und wuchs zu dem Produktionszentrum heran, das es heute ist.

„Lange Zeit war Sabae eine Stadt der Handwerker, und wir waren nicht gut darin, zu erklären, warum unsere Brillen gut sind“, gab unsere Begleitung zu. „Erst in den letzten Jahren haben wir wirklich begonnen, das zu vermitteln.“ Heute sind Brillen und Sabae in Japan fast zu Synonymen geworden.

Der Weg verlief nicht immer glatt. Um 1996 breiteten sich in ganz Japan Billigketten aus, die Brillen zu wenigen Festpreisen verkauften, und ein großer Teil der Produktion aus Sabae wanderte nach China ab. Taniguchi Megane fertigte damals Fassungen für ein großes Brillenunternehmen; als dieses zusammenbrach, gab es kaum noch Aufträge.

„Aber wir hatten jahrzehntelange Erfahrung und Know-how im Fassungsbau“, sagte unsere Begleitung. „Also gründeten wir eine eigene Marke und begannen, Brillen selbst herzustellen und zu verkaufen.“ Diese Marke war TURNING. Der heutige Geschäftsführer, die zweite Generation des Familienbetriebs, hatte in einem Optikergeschäft gelernt – seine Erfahrung mit Kunden und vielen verschiedenen Marken prägt die Entwürfe des Unternehmens bis heute.

Sonnenbrillen, die wirklich passen

Wie kam es zu tesio? „Dafür gab es mehrere Gründe“, erzählte unsere Begleitung. „Korrekturbrillen erfordern einen Sehtest, deshalb wird TURNING über Optiker verkauft. Sonnenbrillen nicht – sie können also auch in Mode- und Lifestyle-Geschäften angeboten werden. Das passte zum Ziel des Unternehmens, Kundinnen und Kunden über den Brillenhandel hinaus zu erreichen. Und ehrlich gesagt fand ich selbst einfach keine Sonnenbrille, die ich tragen wollte – also habe ich dem Chef immer wieder gesagt, dass wir welche machen sollten!“

Die meisten Sonnenbrillen auf dem Markt sind importiert, und die Auswahl beschränkt sich meist auf teure Luxusmarken oder billige Kunststofffassungen. In Japan gab es viele gut gemachte Brillen für hiesige Gesichter, aber kaum Sonnenbrillen – und keine mit dem passenden Design zum passenden Preis. Unsere Begleitung plante die Marke und brachte sie in rund sechs Monaten auf den Markt. „Wir konnten bereits Brillen herstellen, die als bequem empfunden werden, und haben dieses Können auf Sonnenbrillen übertragen. Mit dieser Grundlage ging alles schnell.“

tesio Nahaufnahme einer Craft-Sonnenbrille im Asian-Fit-Design

Drei Dinge, die tesio ausmachen

  • Asian-Fit-Design. Viele importierte Sonnenbrillen sind für europäische und amerikanische Gesichter entworfen. tesio-Fassungen sind auf ostasiatische Gesichtszüge zugeschnitten und berücksichtigen Unterschiede bei Nasenhöhe, Augentiefe und Wangenknochen – so sitzen sie bequem.
  • Klassische, zeitlose Formen. tesio ist überzeugt, dass klassische Fassungen am besten in den Alltag passen: beim Wochenendausflug mit der Familie, bei einer Stadterkundung mit dem Fahrrad oder bei einem Tag im Freien.
  • Für lange Zeit gemacht. Wie bei TURNING lassen sich tesio-Fassungen polieren, nachjustieren und pflegen, sodass sie viele Jahre lang getragen werden können.

tesio Craft-Sonnenbrille für den Alltag im Freien

„Sonnenbrillen und Brillen galten irgendwann als billige Dinge, die man ständig ersetzt“, sagte unsere Begleitung. „Aber die Zeit des Massenkonsums geht zu Ende, und die Menschen suchen nach nachhaltigen Dingen. Darüber freue ich mich.“

Zum Sortiment von tesio gehören Basismodelle wie SORA und HARE, Modelle mit Glasgläsern wie MACHI und YAMA sowie Modelle, die in Zusammenarbeit mit der Tokioter Fahrradmarke tokyobike entstanden sind.

tesio eine Auswahl an Craft-Sonnenbrillenmodellen

Wie findet man die richtige? „Oft heißt es, eine bestimmte Gesichtsform passe zu einer bestimmten Fassung, aber ich persönlich glaube nicht daran“, sagte unsere Begleitung lachend. „Wählen Sie die Form und Farbe, die Ihnen gefällt. Wenn Sie den Look lieben, hebt das die Stimmung. Wer es leichter mag, probiert eine Fassung in einer sanften, transparenten Farbe mit leicht getönten Gläsern – so bleiben die Augen sichtbar und die Brille wirkt im Gesicht weniger schwer.“

Ein Blick in die Werkstatt

Anschließend durften wir in die Werkstatt, um einige wichtige Schritte des Fassungsbaus zu sehen. Taniguchi Megane entwirft jede Fassung selbst und wählt Materialien und Teile im eigenen Haus aus. Eine Partnerwerkstatt biegt dann die Acetatplatte, schneidet die Fassungsform aus und formt die Rückseite. Sobald die Fassungen zurückkommen, beginnt die Arbeit bei Taniguchi Megane.

tesio Fassungsfronten aus Acetat bei der Ankunft in der Werkstatt

  1. Nasenpads. Die Nasenpads werden auf die Vorderseite der Fassung geklebt und anschließend zu glatten, runden Formen gefeilt, damit sie sanft auf der Nase aufliegen. Auf dem Foto wurde die obere Fassung gerade beklebt, die untere bereits glatt gefeilt.

tesio Nasenpads vor und nach dem Feilen

  1. Trommelpolitur. Die Fassungen werden in einer rotierenden Trommel mit Öl, Polierpaste und kleinen Chips bearbeitet. Das geschieht in drei Stufen: zuerst mit Kunststoffchips, dann mit Holzchips und schließlich mit Bambuschips. Durch die allmählich wechselnde Härte der Chips werden die Kanten abgerundet und feine Kratzer verschwinden. Die Kunststoffchips sind anfangs weiß und kantig und schleifen sich nach vielen Durchgängen zu kleinen runden Kieseln ab.

tesio Trommelpolitur von Brillenfassungen

tesio Kunststoff-Polierchips für die Trommelpolitur

tesio Holzchips für die zweite Polierstufe

Laufzeit und Ölmenge werden auf jedes Modell und sogar auf die Jahreszeit abgestimmt. Ein Handbuch gibt es nicht: Die Handwerker entscheiden nach Gefühl.

  1. Einpassen der Scharniere. Die Verbindungsstellen zwischen Front und Bügeln werden maschinell zugeschnitten, damit sie exakt aufeinandertreffen, und die Teile werden mit Scharnieren verbunden. Hier geht es um Bruchteile eines Millimeters.

tesio Zuschneiden der Scharnierverbindungen einer Fassung

  1. Polieren von Hand. Zum Schluss wird jede Fassung von Hand auf einer rotierenden Stoffscheibe, dem sogenannten Buff, poliert. Dabei wird die Stufe an den Scharnieren geglättet und winzige Kratzer werden entfernt. Die weiße Masse auf dem Foto ist überraschenderweise Schlamm: Auf den Buff aufgetragen, reguliert sie die Reibung.

tesio Polieren einer Fassung von Hand auf einer Stoffscheibe

tesio auf den Polierbuff aufgetragener Schlamm

„Die Fassungen sehen vielleicht gleich aus, aber jede hat andere Kratzer“, sagte unsere Begleitung. „Man muss genau hinsehen und von Hand polieren, um ein sauberes Finish zu erzielen. Viele glauben, das könnte eine Maschine erledigen, aber eine Maschine schafft dieses glatte Gefühl und diese weichen Rundungen nicht.“

Mit Sorgfalt, Stück für Stück gefertigt

Brillen und Sonnenbrillen von Taniguchi Megane haben einen sanften, warmen Charakter. Ein Tragekomfort, der entsteht, weil immer zuerst an die Menschen gedacht wird, die sie tragen; natürliche Materialien, die weich auf dem Gesicht liegen; und sorgfältige Handarbeit, die seit der Gründung gepflegt wird: Zusammen ergibt das ein Gefühl, das nur Taniguchi Megane bieten kann.

tesio Craft-Sonnenbrille aus Sabae (Fukui)

Unser herzlicher Dank gilt allen bei Taniguchi Megane, die sich so viel Zeit genommen haben, uns herumzuführen und ihre Geschichte zu erzählen.

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