
HIZEN5: Glasfedern aus fünf Töpferorten in Saga
Die Präfektur Saga, einst als Provinz Hizen bekannt, ist die Geburtsstätte des japanischen Porzellans und Heimat berühmter Keramiken wie Arita, Karatsu und Imari. Damit Menschen Hizen-Keramik ganz unbeschwert genießen können, haben sich Brennöfen aus fünf Orten (Karatsu, Imari, Takeo, Ureshino und Arita) gemeinsam mit der Präfektur zusammengetan und HIZEN5 ins Leben gerufen. Lokale Produzenten und acht Brennöfen arbeiten Hand in Hand, um traditionelles Können mit frischen Ideen zu verbinden. Wir haben die drei Werkstätten besucht, die die Glasfedern aus unserem Sortiment herstellen.

Neue Verbindungen zwischen den Töpferorten
Unser Begleiter war Herr Kusumoto, Produzent von HIZEN5 für Arita, der dort ein Geschäft für Keramik-Accessoires führt und als Vermittler zwischen den Brennöfen fungiert. „HIZEN5 begann als Projekt der Präfektur, um jungen Menschen Keramik aus einem neuen Blickwinkel näherzubringen“, erzählt er. Die ersten Produkte um 2018 waren Accessoires aus Keramik.

Früher tauschten selbst Brennöfen aus demselben Ort kaum Informationen aus, von Werkstattbesuchen ganz zu schweigen. Das änderte sich um 2016, als Arita 400 Jahre Porzellanherstellung feierte und ein großes Jubiläumsprojekt die Hersteller zusammenbrachte. Über diese Kontakte gewann Herr Kusumoto Brennöfen, die bei HIZEN5 mitmachen wollten. Heute konzentriert sich die Marke auf Glasfedern: eine gemeinsame gläserne Spitze mit einem Griff aus Keramik, von Hand oder in Formen gestaltet, jeweils geprägt von ihrem Ort und ihrer Werkstatt. Dass Brennöfen aus verschiedenen Orten gemeinsam ein Produkt fertigen, ist wirklich etwas Neues.

Die Herausforderung ist die Eigenständigkeit. Noch ist das Projekt auf Fördermittel der Präfektur angewiesen, und die Brennöfen müssen ihr Hauptgeschäft an erste Stelle setzen. Dennoch stehen alle HIZEN5 positiv gegenüber, denn es inspiriert sie auf neue Weise.
Arita-Porzellan: der Arita Pen
Unsere erste Station in Arita war Bunshogama, eine Werkstatt, die sich auf Schreibwaren und Wohnaccessoires spezialisiert hat. Ihre Galerie ist voller reizender Keramikobjekte. Die Werkstatt entstand, als sich der Vater des heutigen Inhabers selbstständig machte, um Keramik jenseits von Geschirr herzustellen – angefangen mit Abdeckungen für Lichtschalter und Steckdosen.

So niedlich diese Stücke auch aussehen, sie verlangen höchste Präzision: Jedes muss exakt auf seine Halterung passen, sonst wird es neu gefertigt. Ton schrumpft beim Brennen, in der Höhe anders als in der Breite und bei jeder Veränderung der Bedingungen, deshalb werden die Formen häufig neu angefertigt. „Sie arbeiten unglaublich präzise“, sagt Herr Kusumoto. „Für die Glasfeder wusste ich: Es müssen sie sein.“

Herr Morita, der Inhaber, entwarf den Arita Pen mit einer klaren Priorität: „eine Form, die angenehm in der Hand liegt“. Er erprobte Formen, indem er einen Holzstab nach dem anderen in die Hand nahm, und feilte intensiv an der Länge und den senkrechten Rillen am Griff. Lange, dünne Stücke verziehen sich leicht im Ofen, „aber ich habe darauf bestanden, ihn etwas länger zu machen“. „Wenn wir das schon machen, wollte ich etwas schaffen, das andere Werkstätten bewundern.“

Hizen-Yoshida-Keramik: von Hand geschnitzte Punkte
Als Nächstes besuchten wir Soesen Seitosho in Ureshino, einem Ort, der für seine heißen Quellen und seinen grünen Tee bekannt ist. Die 1947 gegründete Manufaktur wird heute in dritter Generation von Herrn Soejima geführt und ist bekannt für ihre gepunktete Keramik, die zum Symbol der Hizen-Yoshida-Keramik geworden ist.

Die Punkte entstehen durch kakiotoshi (Ausschabetechnik): Eine Engobeschicht, gefärbt mit dem Indigopigment gosu , wird mit einem rotierenden, bohrerartigen Werkzeug kreisförmig abgetragen, sodass jeder Punkt leicht vertieft ist. Soesen scheint heute die einzige Werkstatt zu sein, die Punkte noch auf diese Weise schnitzt. „Alle anderen haben aufgehört, um Dinge zu machen, die sich besser verkaufen. Wir waren die Letzten, die nicht aufgehört haben“, sagt Herr Soejima. Er bezeichnet die Technik als Schatz der gesamten Branche: „Andere könnten es auch, aber es braucht viele Hände und ist mühsam, deshalb will es niemand machen.“

Jeden Ureshino Pen schnitzt er selbst und setzt jeden Punkt perfekt – ganz ohne Hilfslinien. Weil die Federn so dünn sind, brechen sie durch die Vibration häufig; manchmal zerbricht die Hälfte von zehn Stück. Er begrüßt HIZEN5: „Wer sich Herausforderungen stellt, hebt sein technisches Niveau.“ Werkstätten, die früher für sich blieben, sind heute Trinkgefährten, die Können und Sorgen miteinander teilen.

Imari-Porzellan: der Imari Pen im Nabeshima-Stil
Unsere letzte Station war Hataman Toen am Fuße des Okawachiyama in Imari, dem „Dorf der geheimen Brennöfen“, wo in den offiziellen Öfen des Nabeshima-Clans Porzellan für die Tokugawa-Shogune hergestellt wurde. Die 1926 gegründete Werkstatt pflegt den edlen Nabeshima-Stil.


Der Imari Pen wird vollständig von Hand bemalt. Die Konturen werden mit kobaltblauem gosu gezeichnet und bei etwa 1.300 °C gebrannt, dann kommen rote und gelbe Aufglasurfarben hinzu, und das Stück wird erneut gebrannt: insgesamt drei Brände. Im Malraum war nur ein Radio zu hören, während die Kunsthandwerker schweigend arbeiteten. Selbst „Rot“ gibt es in Dutzenden von Nuancen, jede passend für ihren Platz gewählt.


Die Glasfedern haben ein neues Publikum gewonnen: Menschen, die über Schreibwaren zum Imari-Porzellan finden. Der Seniorchef der Werkstatt hat sie auf den Kurs „Tradition bewahren und zugleich Neues schaffen“ gebracht – von Parfümflakons bis zu einem Porzellan mit Lederstruktur, an dem er fünf Jahre lang tüftelte. „Neues, verfeinert und verbessert, wird seinerseits zu Geschichte.“

Fünf Orte, ein Geist
Jede Werkstatt war kraftvoll und unverwechselbar, und doch teilten alle denselben Antrieb, die Tradition weiterzutragen und zugleich Neues zu wagen. Während HIZEN5 ins Ausland blickt und auf die eigene Unabhängigkeit hinarbeitet, erkennen wir denselben Geist, mit dem sich die Töpferorte von Hizen seit Jahrhunderten gegenseitig angespornt haben. Unser Dank gilt allen, die uns so herzlich empfangen haben.








