
Odate Kougeisha: Magewappa und die Geschichte von Blanc Pa
Mit ihren sanften Rundungen und der feinen Holzmaserung gehören Magewappa, Bugholzschachteln aus Zedernholz, seit mehr als tausend Jahren zum japanischen Alltag. Magewappa aus Odate in der Präfektur Akita sind die einzigen Bugholzwaren Japans, die offiziell als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt sind. Wir haben Odate Kougeisha besucht, das seit 65 Jahren in Odate Magewappa herstellt, um mehr über ihr Handwerk und die Geschichte hinter ihrer neuen Linie Blanc Pa zu erfahren.

Alles aus einer Hand
Vor den Magewappa stellte das Unternehmen Volkskunst her, etwa kleine dreieckige Puppen nach dem Vorbild von Kindern im Schneeland, sowie Laternen. Mit der Herstellung von Magewappa begann es zwischen 1955 und 1964. Während sich in vielen Handwerksregionen spezialisierte Werkstätten die Arbeit teilen, übernehmen bei Odate Kougeisha die eigenen Handwerkerinnen und Handwerker jeden Schritt, vom Anfang bis zum Ende.
Die ersten Produkte waren Tabletts und Teedosen. Bald fragten Kundinnen und Kunden nach Lunchboxen und Geschirr, und auch diese kamen hinzu. „Magewappa sind schön, und das Holz reguliert ganz natürlich die Feuchtigkeit“, sagt Herr Toshima, der Firmenchef. „Selbst als Kunststoff alltäglich wurde, entschieden sich die Menschen aus beiden Gründen weiter für sie.“ Die Bento-Box, die jeden Tag benutzt wird, ist heute das Aushängeschild des Unternehmens.

Tradition und eine neue Idee
Bugholztechniken gab es in ganz Japan bereits in der Heian-Zeit. Die Nachbildung einer in Odate gefundenen Lunchbox, die auf 100 bis 150 Jahre geschätzt wird, sieht fast genauso aus wie die heute gefertigten.
Odate Kougeisha verwendet Akita-Zedern, die 100 bis 120 Jahre alt sind. Traditionell wird nur das rötliche Kernholz verwendet; sowohl der innerste Kern als auch das helle äußere Splintholz, genannt Shirata, werden aussortiert – rund die Hälfte jedes kostbaren Stammes landete also im Abfall. „Wir hatten das Gefühl, Bäume zu verschwenden, die so lange zum Wachsen gebraucht hatten“, sagt Herr Toshima.
Blanc Pa wurde geschaffen, um das zu ändern. Der Name verbindet das französische Wort blanc (weiß) mit dem „pa“ aus Magewappa. Während traditionelle Magewappa auf Einheitlichkeit abzielen, feiert Blanc Pa den natürlichen Charakter jedes Stammes – einschließlich des Shirata, das die Branche lange gemieden hat. Seine Verwendung reduziert Abfall und ermöglicht es, aus jedem Baum mehr Stücke zu fertigen, macht die Arbeit aber auch schwieriger. Herr Toshima nennt es eine Herausforderung, die sich lohnt.

Hinter beiden Linien steht derselbe Wunsch: dass Menschen gute Dinge lange benutzen. Odate Kougeisha repariert seine Stücke, klassische wie Blanc Pa, und behebt Flecken, Kratzer und abgeplatzte Stellen, wo immer es möglich ist. Die Marke wurde mit einem Designer aus der Region entwickelt, und neue Stücke sind bereits in Arbeit.
Warum Akita-Zeder
Auf die Frage nach der größten Herausforderung seiner Branche nennt Herr Toshima nicht den Mangel an Nachwuchs. Er nennt das Holz. Odate Kougeisha hat schon immer Zedernholz aus Akita verwendet, wo lange, kalte Winter und wenige Sonnentage die Bäume langsam wachsen lassen – mit dicht beieinanderliegenden Jahresringen. Zedern aus wärmeren Regionen können etwa doppelt so schnell wachsen und haben breitere Ringe. Genau diese feine, gleichmäßige Maserung macht Magewappa aus Akita so schön.
Da Magewappa aus Brettern gefertigt werden, die der Länge nach aus dem Stamm gespalten werden, gilt: Je dicker der Stamm, desto höher das Stück, das man daraus machen kann. Selbst ein 80 Jahre alter Baum ist nicht groß genug. In jeder Schachtel steckt ein Jahrhundert Wachstum, vollendet von den Händen einer Handwerkerin oder eines Handwerkers.

Jeder Schritt von Hand
Rund dreißig Menschen arbeiten in der Manufaktur. In einer Ecke weichen Stapel dünner Zedernbretter ein bis zwei Stunden lang in Wasser, das über einem Feuer auf etwa 90 °C erhitzt wird, bis sie weich genug zum Biegen sind. Direkt aus dem heißen Wasser wickelt eine Handwerkerin oder ein Handwerker jedes Brett um eine Form und klemmt es fest – mit schnellen, geübten Bewegungen, die es mühelos aussehen lassen.

Die überlappenden Enden werden mit Streifen aus Kirschbaumrinde vernäht – eine seit der Edo-Zeit unveränderte Methode, die Magewappa auch ihren charakteristischen dunklen Akzent verleiht. Diesen Schritt übernimmt einer der fünf zertifizierten Meister für traditionelles Kunsthandwerk im Unternehmen. Danach wird der Boden passgenau eingesetzt, das Stück geschliffen und eine Urethan-Beschichtung in einem feinen Netzmuster aufgetragen: genug, um öligen Speisen standzuhalten, aber dünn genug, damit das Holz weiter atmen kann.

Überrascht hat uns, dass die Arbeitsschritte nach dem Biegen am meisten Zeit in Anspruch nehmen. Im Ausstellungsraum besteht der Boden aus übrig gebliebenem Kernholz und der Präsentationstisch aus einem 250 Jahre alten Stamm. Als wir die Stücke nach dem Rundgang noch einmal betrachteten, spürten wir das Gewicht dieser Jahre – und der unverändert weitergegebenen Fertigkeiten. Unser Dank gilt allen bei Odate Kougeisha.









