
sufuto: Tsuzure-Weberei – mit den Fingernägeln gewebt
sufuto ist eine Marke für festliche Gegenstände von Kiyohara Orimono, einer Weberfamilie, die seit der Muromachi-Zeit Tsuzure-ori betreibt, eine Form der Bildweberei. Sie fertigt zeremonielle Einschlagtücher, Obi-Gürtel, Festbehänge und Theatervorhänge. Unter der Leitung von Herrn Kiyohara möchte die Marke eine mehr als 4.000 Jahre alte Webtradition in das moderne Leben tragen. Er führte uns durch die Werkstatt.

Ein Nishijin-Webhaus in Shiga
Kiyohara Orimono ist ein Webhaus für Nishijin-ori, einen Stil, der mit Kyoto verbunden wird, auch wenn das Unternehmen heute in Moriyama (Präfektur Shiga) ansässig ist. Wie viele Webhäuser setzt es teilweise auf Debata: erfahrene Weberinnen und Weber, die an Webstühlen in ihren eigenen Häusern arbeiten. Herrn Kiyoharas Großvater bildete solche Weberinnen und Weber in ganz Japan aus, viele davon Frauen in Bergdörfern. Heute sind noch etwa 30 von ihnen tätig, alle mit langer Berufserfahrung; die Älteste webt mit 91 Jahren noch immer.


Tsuzure-Weberei
Die Tsuzure-Weberei entstand im alten Ägypten und gelangte über die Seidenstraße nach Japan. Normalerweise wird der Schussfaden gerade hindurchgeführt; bei Tsuzure verläuft er schräg, und der lockere Faden wird so dicht angeschlagen, dass er die Kettfäden vollständig umhüllt und verbirgt. Dadurch wird der Stoff dick und außergewöhnlich fest – in der Querrichtung bis zu etwa fünfmal fester als Leder. Kiyohara verwendet dicke, hochwertige Seide, die als Faden glänzt und gewebt einen ruhigeren Ton annimmt.



Mit den Fingernägeln gewebt
Die edelste Form ist Tsume-kaki Hon-tsuzure: das Weben mit den Fingernägeln. Normalerweise wird der Schussfaden mit einem Kamm angeschlagen. Bei sehr detaillierten Mustern kann ein Kamm den Faden nicht präzise genug andrücken, und ständig das Werkzeug zu wechseln wäre ineffizient. Deshalb feilen die Weberinnen und Weber ihre eigenen Fingernägel zu kammartigen Zähnen und verwenden diese stattdessen. (Ihre größte Klage: Die Nägel bleiben an der Kleidung hängen.) Bei so feiner Arbeit kommt man manchmal nur etwa einen Zentimeter am Tag voran, doch es lassen sich filigrane Bilder und sogar Rundungen darstellen. Da die Kettfäden verborgen sind, zeigt die Rückseite dasselbe Muster, sodass ein abgenutztes Stück gewendet und von der anderen Seite weiterverwendet werden kann.




Die Festwagen des Gion-Festes in Kyoto werden als fahrende Museen bezeichnet, und viele ihrer detailreichsten Behänge sind in Tsume-kaki Hon-tsuzure gewebt – ein Zeugnis für die Schönheit und Haltbarkeit dieser Technik.
Die Hoffnungen hinter sufuto
Herr Kiyohara ist stolz darauf, Tsuzure-Weber zu sein, sorgt sich aber, dass diese Webkunst auf luxuriöse Kimonos und Kunstwerke beschränkt ist und dem heutigen Leben fern steht. „Wir hätten das schon früher tun sollen“, sagt er. sufuto – der Name leitet sich von sufu („Festtuch“) ab – ist seine Antwort: Dinge, die zum modernen Leben passen.

Er zeigte uns ein Weberschiffchen, auf Englisch „shuttle“ – das Wort, das Shuttlebussen und dem Spaceshuttle ihren Namen gab, Dingen, die hin- und herpendeln. „Mein Traum ist es, die Tsuzure-Weberei, die aus dem alten Ägypten nach Japan kam, wie ein Shuttle mit neuem Wert zurückzuschicken.“ Dieser Traum beginnt bereits wahr zu werden. Unser Dank gilt Herrn Kiyohara und allen bei Kiyohara Orimono.




